Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit – wann sie sich lohnt und wie man eine Schiedsklausel formuliert

31. März 2026

Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit – wann sie sich lohnt und wie man eine Schiedsklausel formuliert

Die Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit ist eine Methode zur Beilegung von B2B-Streitigkeiten durch ein Schiedsgericht statt durch ein staatliches Gericht - auf Grundlage einer Vereinbarung der Parteien. Rechtsgrundlage ist der fünfte Teil der polnischen Zivilprozessordnung (Art. 1154-1217 k.p.c.), der u.a. die Schiedsklausel, den Ablauf des Verfahrens sowie die Anerkennung und Vollstreckung von Schiedssprüchen regelt.

Schiedsgericht vs. staatliches Gericht - die wichtigsten Unterschiede für Unternehmen

In der Praxis läuft die Wahl „Schiedsgericht vs. staatliches Gericht“ auf eine Abwägung von Zeit, Planbarkeit, Vertraulichkeit und Kosten hinaus. Schiedsverfahren sind organisatorisch meist flexibler, erfordern jedoch eine bewusste Gestaltung der Regeln bereits auf Vertragsebene.

  • Schnelligkeit und Organisation - Fristen können kürzer sein und der Zeitplan lässt sich an die Verfügbarkeit der Parteien und Schiedsrichter anpassen; bei umfangreicher Beweisaufnahme kann jedoch auch ein Schiedsverfahren lange dauern.
  • Spezialisierung der Schiedsrichter - die Parteien können Schiedsrichter mit Branchenerfahrung auswählen (z.B. Bau, IT, Finanzen), was bei technischen Streitigkeiten oft entscheidend ist.
  • Schiedsverfahren und Vertraulichkeit - Schiedsverfahren sind grundsätzlich nicht öffentlich wie Gerichtsverfahren; der konkrete Vertraulichkeitsstandard hängt aber von den Regeln der Institution und den vertraglichen Vereinbarungen ab.
  • Instanzenzug - vor staatlichen Gerichten sind Rechtsmittel Standard; im Schiedsverfahren ist die gerichtliche Kontrolle auf die Aufhebungsklage gegen den Schiedsspruch in den in Art. 1206 k.p.c. genannten Fällen beschränkt.

Wann sich Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit wirklich auszahlt

Ein Schiedsverfahren ist besonders sinnvoll, wenn der Streit einen hochpreisigen Vertrag betrifft, technisch geprägt ist und die Parteien Reputationsrisiken oder die Offenlegung geschäftlicher Informationen begrenzen möchten. Grundsätzlich lohnt es sich, Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit in Betracht zu ziehen, wenn:

  1. Vertraulichkeit wichtig ist (z.B. Know-how, Margen, Abrechnungsmodelle, Qualitätsvorfälle),
  2. die Auswahl von Experten als Schiedsrichter zählt,
  3. der Vertrag einen internationalen Bezug hat (ausländischer Vertragspartner, Leistungserbringung im Ausland),
  4. die Parteien Verfahrensverzögerungen und Formalismus reduzieren wollen,
  5. eine „maßgeschneiderte“ Beweisaufnahme erforderlich ist (z.B. Begrenzung der Zeugenanzahl, Priorität für Urkundenbeweise).

Weniger vorteilhaft kann ein Schiedsverfahren dagegen bei Streitigkeiten mit geringem Streitwert, bei Massenverfahren (z.B. hunderte gleichartige Ansprüche) oder dort sein, wo einstweilige Maßnahmen und eine schnelle inländische Vollstreckung ohne zusätzliche Förmlichkeiten im Vordergrund stehen.

Kosten eines Schiedsverfahrens - was sie umfassen und wie man sie kalkuliert

Kosten eines Schiedsverfahrens“ sind nicht nur das Honorar der Schiedsrichter. Typischerweise umfassen sie:

  • Registrierungs- und Verwaltungsgebühren der Institution (bei institutioneller Schiedsgerichtsbarkeit),
  • Schiedsrichterhonorare (abhängig vom Streitwert und der Schiedsordnung),
  • Kosten für Rechtsbeistände, Sachverständige, Übersetzungen, Reisen,
  • organisatorische Kosten (Räumlichkeiten, Protokollierung, Remote-Plattformen).

Im Vergleich zum staatlichen Gericht können die Einstiegskosten höher sein. Bei hochpreisigen Streitigkeiten und gut geführtem Verfahren (Beweisführung, Fristen, Konzentration) kann das Schiedsverfahren jedoch indirekte Kosten senken: eingefrorene Forderungen, Projektstillstände, Belastung des Managements.

Schiedsverfahren - wie es in der Praxis abläuft

Wie genau ein Schiedsverfahren abläuft, hängt davon ab, ob die Parteien eine institutionelle Schiedsgerichtsbarkeit (mit Schiedsordnung) oder ein ad hoc-Verfahren gewählt haben. Typischer Ablauf:

  1. Einreichung der Klage/des Schiedsantrags und der Erwiderung,
  2. Bestellung des Schiedsgerichts (Einzelschiedsrichter oder Dreiersenat),
  3. Festlegung der Verfahrensregeln und des Zeitplans,
  4. Beweisaufnahme (Dokumente, Zeugen, Sachverständige),
  5. mündliche Verhandlung oder Entscheidung im schriftlichen Verfahren,
  6. Erlass des Schiedsspruchs.

Bereits in der Klausel sollten Verfahrenssprache, Ort des Schiedsverfahrens (sog. Sitz), Anzahl der Schiedsrichter sowie deren Bestellungsmodus bedacht werden. Diese Elemente beeinflussen Zeit und Kosten, aber auch die spätere Anerkennung und Vollstreckung der Entscheidung.

Schiedsklausel - wie formulieren: Elemente, die über die Wirksamkeit entscheiden

Eine Schiedsklausel ist die Vereinbarung der Parteien, dass Streitigkeiten aus einem bestimmten Rechtsverhältnis durch ein Schiedsgericht entschieden werden (Art. 1161 k.p.c.). Entscheidend ist, dass die Klausel eindeutig und vollständig ist. Eine gut formulierte B2B-Schiedsklausel sollte mindestens enthalten:

  • Streitgegenstand/Umfang - z.B. „alle Streitigkeiten aus oder im Zusammenhang mit dem Vertrag“,
  • Benennung der Institution oder Regeln - z.B. ein konkretes ständiges Schiedsgericht und dessen Schiedsordnung,
  • Anzahl der Schiedsrichter - 1 für einfachere Streitigkeiten, 3 für komplexe oder hochpreisige Fälle,
  • Sitz des Schiedsverfahrens - beeinflusst das Verfahrensrecht und das zuständige Gericht für unterstützende Maßnahmen,
  • Sprache - besonders wichtig bei internationalen Vertragsbeziehungen,
  • Vertraulichkeitsregeln - wenn die Parteien einen erhöhten Standard erwarten, sollte dieser im Vertrag konkretisiert werden.

Häufige Fehler in der Praxis sind: Verweis auf eine nicht existierende Institution, unklarer Umfang (Streit „aus der Durchführung“ statt „aus dem Vertrag und im Zusammenhang damit“), fehlender Mechanismus zur Bestellung eines Schiedsrichters oder widersprüchliche Regelungen zur Zuständigkeit.

Drei Ausnahmen, die man im Blick behalten sollte

Für die Risikobewertung ist es notwendig, drei Ausnahmen aus Vorschriften und Anwendungspraxis zu berücksichtigen:

  1. Fehlende Schiedsfähigkeit - nicht jeder Streit kann einem Schiedsverfahren unterworfen werden; grundsätzlich zulässig sind Streitigkeiten über vermögensrechtliche Ansprüche sowie über nicht vermögensrechtliche Ansprüche, die Gegenstand eines gerichtlichen Vergleichs sein können (Art. 1157 k.p.c.).
  2. Verbraucher und Arbeitnehmer - bei Verbrauchern unterliegt die Schiedsklausel zusätzlichen Einschränkungen (Art. 1164(1) k.p.c.), im Arbeitsrecht gelten gesonderte Zulässigkeitsregeln (Art. 1164 k.p.c.). In B2B-Verträgen sollte geprüft werden, ob die Gegenseite im konkreten Rechtsverhältnis tatsächlich als Unternehmer handelt.
  3. Rechtsbehelfe sind eingeschränkt - ein Schiedsspruch ist grundsätzlich nicht wie ein Urteil eines staatlichen Gerichts durch Berufung anfechtbar; die gerichtliche Kontrolle beschränkt sich auf die Voraussetzungen der Aufhebungsklage (Art. 1205-1211 k.p.c.). Das erhöht die Bedeutung der Klauselqualität und der Schiedsrichterauswahl.

Schiedsspruch - Anerkennung und Vollstreckung in Polen

Ein Schiedsspruch ist nicht immer sofort vollstreckbar. Grundsätzlich ist eine Vollstreckbarerklärung erforderlich (bei inländischen Schiedssprüchen) oder Anerkennung bzw. Anerkennung und Vollstreckbarerklärung (bei ausländischen Schiedssprüchen) gemäß Art. 1212-1214 k.p.c. In internationalen Fällen ist zudem das New Yorker Übereinkommen von 1958 von Bedeutung, das die Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche in Vertragsstaaten erleichtert.

Wie man Schiedsverfahren in Verträgen und Unternehmensprozessen verankert

Ein Schiedsverfahren sollte keine zufällige Klausel in einer Vorlage sein. Aus Sicht der Geschäftsführung und der Rechtsabteilungen ist sinnvoll:

  • die Vertragstypen zu identifizieren, bei denen Schiedsverfahren Vorteile bieten (z.B. strategische Lieferanten, Infrastrukturprojekte, Joint Ventures),
  • ein Klauselmuster und Varianten zu entwickeln (kleinere vs. größere Streitigkeiten),
  • einen Standard für Vertraulichkeit und Dokumentenfluss festzulegen,
  • ein konsistentes Vorgehen bei Rechtswahl und Gerichtsstand zu etablieren, insbesondere bei internationalen Verträgen.

In Angelegenheiten, die für das operative Geschäft oder die Reputation besonders bedeutsam sind, ist es sinnvoll, die Entscheidung für ein Schiedsverfahren mit dem Risikomanagementprozess und der Betreuung von wirtschaftsrechtlichen Streitigkeiten im Unternehmen zu verknüpfen.

Informationsmaterial, keine Rechtsberatung.

Wenn eine Prüfung erforderlich ist, ob die Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit zu einem konkreten Vertrag passt und ob die Schiedsklausel durchsetzbar ist, empfiehlt es sich, die Analyse und Ausarbeitung der Klausel durch das KKZ-Team zu beauftragen - Kontakt über https://kkz.com.pl/.

FAQ

Ist Wirtschaftsschiedsgerichtsbarkeit immer schneller als ein staatliches Gericht?

Nicht immer. Ein Schiedsverfahren kann bei guter Organisation und konzentrierter Beweisführung schneller sein, bei vielen Zeugen und Sachverständigen kann die Dauer jedoch mit der eines staatlichen Gerichts vergleichbar sein.

Wie formuliert man eine Schiedsklausel, um Unwirksamkeit zu vermeiden?

Man sollte eine eindeutige Unterwerfung unter die Schiedsgerichtsbarkeit sicherstellen, den Streitumfang festlegen, den Modus der Schiedsrichterbestellung regeln und (bei institutioneller Schiedsgerichtsbarkeit) auf eine konkrete Schiedsordnung verweisen - entsprechend Art. 1161 k.p.c.

Was umfassen die Kosten eines Schiedsverfahrens?

In der Regel umfassen sie die Gebühren der Institution (falls gewählt), die Schiedsrichterhonorare sowie Kosten für Rechtsbeistände und Beweismittel (Sachverständige, Übersetzungen). Die Struktur hängt von der Schiedsordnung und dem Streitwert ab.

Gewährleistet ein Schiedsverfahren Vertraulichkeit?

Weitgehend ja, da es keine Öffentlichkeit wie vor staatlichen Gerichten gibt. Der Umfang der Vertraulichkeit hängt jedoch von der Schiedsordnung und den Vertragsklauseln ab. Bei sensiblen Projekten sollten Vertraulichkeitspflichten im Vertrag präzise geregelt werden.

Wie läuft die Anerkennung und Vollstreckung eines Schiedsspruchs in Polen ab?

Grundsätzlich ist ein Beschluss eines staatlichen Gerichts über die Anerkennung oder Vollstreckbarerklärung gemäß Art. 1212-1214 k.p.c. erforderlich; bei ausländischen Entscheidungen ist zudem das New Yorker Übereinkommen von 1958 relevant.

Kann man einen Schiedsspruch wie ein Berufungsurteil anfechten?

Nicht im typischen Berufungsverfahren. Möglich ist eine Aufhebungsklage gegen den Schiedsspruch in den in Art. 1206 k.p.c. vorgesehenen Fällen - eine Kontrolle, die auf bestimmte Voraussetzungen beschränkt ist.

Literatur

[1] Polnische Zivilprozessordnung - fünfter Teil: Schiedsgericht (Art. 1154-1217).

[2] Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche, abgeschlossen in New York am 10. Juni 1958 (New Yorker Übereinkommen).

Autor: adw. Maciej Zaborowski, Geschäftsführender Sozius

E-mail: m.zaborowski@kkz.com.pl

tel.: +48 22 501 56 10

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